Die ganzheitliche Abklärung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADS/ADHS und deren Familien

ADS/ADHS – Was ist das eigentlich?

Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, bei denen die Diagnose ADS (attention deficit syndrome) =einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD F90.0) bzw. ADHS (attention deficit and hyperactivity syndrome) = hyperaktive Störung des Sozialverhaltens (ICD F90.1) gestellt wird, hat in den letzten Jahren in den USA und in ganz Europa dramatisch zugenommen. Der Mainstream der Therapie besteht in der Verordnung von Ritalin und dessen Abkömmlingen, deren Verschreibungsmenge sich seit 1990 ungefähr vervierzigfacht hat. Daneben gibt es weitere Medikamente, die im Vergleich zu Ritalin zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle spielen. Die Gründe für diese Entwicklung sind sicher vielschichtig, deren Dynamik lässt aber vermuten, dass wir es im Bereich der medikamentösen Behandlung von Patienten mit ADS/ADHS zumindest teilweise mit einer auch von Wirtschaftsinteressen gelenkten Modeerscheinung zu tun haben, vergleichbar mit der in den USA aktuell noch stark verbreiteten Neigung, viele Patienten mit der Diagnose einer „bipolaren Störung“ zu belegen, nur weil sie auf bestimmte Antidepressiva nicht reagieren.

Bei ADS/ADHS handelt es sich nicht um eng begrenzte Krankheitsbilder, sondern um Syndrome. Ein Syndrom ist eine Sammlung von unterschiedlichen Symptomen. Von diesen müßen jeweils eine bestimmte Anzahl vorhanden sein, damit man Patienten das Krankheitsbild zuordnen kann. Dabei besteht die große Gefahr, dass Patienten mit klinisch zwar ähnlichen aber unterschiedlichsten Störungsbildern als ADS/ADHS diagnostiziert und manchmal vorschnell mit Ritalin und dessen Abkömmlingen behandelt werden. Doch längst nicht alle Patienten reagieren in irgendeiner Weise positiv auf diese Therapie. Die Gründe dafür sind in der Schulmedizin unbekannt.

Was sind die Ursachen von ADS/ADHS?

Die Ursachen für das Auftreten von ADS/ADHS-Syndromen sind in der Schulmedizin weitgehend unbekannt. Ging man in den 60er und 70er Jahren von einer „minimalen Gehirnschädigung“ unter der Geburt aus, wurde diese Hypothese, nachdem bei diesen Kindern anatomisch keine Hirnschädigungen festgestellt werden konnten, alsbald geändert in „minimale cerebrale Dysfunktion“. Heute gibt es theoretische Modelle über Störungen der biochemischen Vorgänge (Neurotransmitter) am Synapsenspalt, die dementsprechend auch pharmakologisch z.B. mit Ritalin behandelt werden. Seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms Ende der 90er Jahre sucht man die Hypothese zu untermauern, dass vielen Krankheiten letztlich genetische Defekte zugrunde lägen, die verantwortlich seien für die biochemischen Stoffwechselstörungen. Tatsächlich gibt es seriöse Studien, die darauf hinweisen, dass genetische Komponenten eine Rolle spielen, treten diese Syndrome doch familiär gehäuft auf. Auch zeigt sich vor allem bei eineiigen Zwillingen statistisch eine relativ hohe Korrelation. Etwas außerhalb des wissenschaftlichen Mainstreams gibt es eine ganze Reihe von ernst zu nehmenden Studien, die zum Ergebnis kommen, dass die Zunahme der Umweltbelastung mit Chemikalien, Pestiziden, Schwermetallen usw. bezüglich der Störungen des Gehirnstoffwechsels ebenso eine Rolle spielt wie der zunehmende Konsum industriell hergestellter Nahrungsmittel, die mit Geschmacksverstärkern, künstlichen Aroma-, Süß- und Farbstoffen, zuviel Zucker und Phosphat attraktiver gemacht werden, als sie es von ihrem Inhalt her für unseren Körper sind. Auch wenn die Menge jedes dieser Stoffe einzeln in unserer Umwelt als „unschädlich“ erklärt wird, zählt in Wirklichkeit deren Zusammenwirken und Anhäufung in unserem Körper im Laufe der Zeit. Die Einlagerung dieser schädlichen Stoffe im Gehirn beginnt schon beim ungeborenen Kind und Kleinkind und setzt sich während der ganzen Reifungsphase des Gehirns und seiner für die Regulation der Vigilanz und der Gefühlssteuerung notwendigen Zentren und Areale fort. Des Weiteren liegen Studien vor, welche die negativen Auswirkungen von Mikronährstoffmängeln auf die normale Funktion des Gehirnstoffwechsels belegen.

Nicht zuletzt ist zu berücksichtigen, dass sich auch der familiäre Rahmen, in dem Kinder aufwachsen, in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert hat und weiter verändert. Die moderne Arbeitswelt mit ihrem Stress und Leistungsdruck wirkt sich auf die emotionale Verfügbarkeit vieler Eltern ebenso negativ aus wie deren oft schon im Säuglings- und Kleinkindalter zunehmend häufige Abwesenheit. Auch hier zeigen viele Studien, wie wichtig ein ausreichendes Ausmaß an Konstanz, Einfühlungsvermögen und emotionaler Verfügbarkeit der Eltern für das Heranbilden eines gesunden Kerns von Selbstwertgefühl und Beziehungsfähigkeit für Fetus, Säugling und Kleinkind vor allem während der ersten Lebensjahre sind. Leider geraten diese Erkenntnisse zunehmend in Vergessenheit oder werden ideologisch kontraproduktiv verbrämt. Die seit einigen Jahren von der Politik im Interesse der „wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit der Nation“ favorisierten und schon Müttern mit sehr jungen Kindern als „berufliche Selbstverwirklichungschance“ schmackhaft gemachten Kindertagesstätten müssen personell sehr gut und mit nicht nur professionell handelndem Personal ausgestattet sein, um diese Fehlentwicklung kompensieren zu können. Eine einseitige intellektuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen ist kein Ersatz für eine nicht ausreichende emotionale Konstanz und Geborgenheit. Ebenso wenig sollten Kleinkinder unbeaufsichtigt TV-Programmen und PC-Spielen „überlassen“ werden, da diese zu einer Belastung der jungen Menschen mit irritierenden und hektischen Inhalten führen, die emotional gar nicht verarbeitet werden können.

Wie zeigt sich ADS/ADHS bei einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen?

ADS und ADHS sind wie erwähnt nicht eng umschriebene Krankheitsbilder. Die Patienten, ob jung oder alt, leiden häufig unter der Unfähigkeit, ihre Aufmerksamkeit ausreichend auf einen Inhalt zu lenken. Diese übermäßige Ablenkbarkeit führt manchmal dazu, dass kaum ein Gedanke zu Ende gedacht werden kann und schon der nächste durch den Kopf schießt. Manche dieser Kinder wiederholen auch stereotyp Inhalte von TV-Programmen, die sie regelmäßig anschauen. Dementsprechend ist das Verhalten: Die einen neigen zu einem introvertierten Tagträumen, andere spiegeln in ihrem äußeren Verhalten ziemlich direkt ihre sprunghafte Gedankenwelt. Sie sind motorisch hyperaktiv, kennen keine Grenzen, können nicht empfinden, wie es anderen Menschen durch ihr ungesteuertes Verhalten ergeht und sind nicht selten impulsiv und auch gewalttätig. Diese Kinder sind oft so stark in ihrer eigenen Welt gefangen, dass normal gesprochene Worte sie kaum erreichen. Erst wenn es zu massiven Interventionen von Seiten der Erwachsenen kommt halten sie kurz inne, beteuern ihre Unschuld, geloben unter Druck Besserung – und machen innerhalb kurzer Zeit weiter wie zuvor. Dies geschieht nicht aus Boshaftigkeit, sie können sich einfach nicht steuern, vergleichbar einem Kutscher, der seine wild gewordenen Pferde nicht im Zaum halten kann. Gelten die eher introvertierten ADS-Patienten als „pflegeleicht“, weil sie sich stundenlang mit sich selbst beschäftigen können, ecken hyperaktive Kinder mit ihrem Verhalten oft in ihrer Umwelt an und provozieren häufig negativ gefärbte Reaktionen. Der Zappelphilipp ist hierzu ein bekanntes Schlagwort. Daraus kann ein Teufelskreis entstehen: hyperaktive Kinder verlangen von ihrer Umgebung ein hohes Maß an Verständnis und Wohlwollen in der Führung. Gerade gestresste Eltern haben aber manchmal nicht mehr die Reserven zu einem besonnenen Verhalten und reagieren ihrerseits gestresst auf das Kind.

Je mehr sich eine häusliche Situation verfahren hat, desto dringender ist oft der Wunsch nach sofortiger Hilfe mittels Psychopharmaka. Dies ist zwar verständlich, aber nicht immer zielführend und nicht immer im Interesse des Kindes. Spätestens seit der Anwendung der allgemeinen Systemtheorie auf die Interaktionsmuster in Familien wurde deutlich, dass der symptomtragende Patient nicht immer der Einzige ist, der unter Spannung steht und Hilfe braucht.

Eine ausführliche Diagnostik ist unumgänglich

Im Rahmen des einzigartigen, ganzheitlichen Konzeptes im Haus der Gesundheit in Michelrieth, das den Menschen in seiner Geist-Seele-Körper-Einheit in den Mittelpunkt stellt, berücksichtigen wir bei der Abklärung dieser jungen Patienten auch eine breite Palette von Störungsbildern, die zu ähnlichen Symptomen führen können wie ADS/ADHS. Um nur einige davon zu nennen: kindliche Depressionen, Folgezustände emotionaler Deprivation, Störungen in der Ausbildung des Selbstbildes und der Beziehungsfähigkeit bis hin zu Störungen aus dem Formenkreis des Autismus, Schwermetallbelastungen, Mikronährstoffmängel, Nahrungsmittelunverträglichkeiten usw.

Aus der Zusammenarbeit mit einem Osteopathen für Kinder und Jugendliche, der unter dem gleichen Dach tätig ist, haben wir zum Wohle dieser Kinder auch gelernt, Funktionsstörungen und Spannungen im Bereich der Weichteilgewebe im Kopf-Hals-Bereich zu berücksichtigen, wenn in der Anamnese und bei der somatischen Untersuchung entsprechende Hinweise vorliegen. Dabei kommen nicht selten Störungen der „Gesamtorganisation“ des Körpers zum Vorschein, deren Behandlung die Symptomatik rasch abklingen lassen kann. Nicht selten liegen beim einzelnen Patienten sogenannte Komorbiditäten vor, das heißt mehrere dieser Störungsbilder können beim gleichen Patienten gleichzeitig vorhanden sein und sich überschneiden.

Ein wesentliches Augenmerk richten wir auch auf die innerfamiliäre Kommunikation bei Kindern und Jugendlichen mit ADS/ADHS-Syndrom. Neben einer „normalen“ Beratung von Eltern und Kind bieten wir auch dort Hilfe an, wo das Verhalten des jungen Patienten die Grenzen der aktuellen Belastbarkeit der Eltern überschreitet. Diese „Imbalance der Kräfte“ innerhalb einer Familie kann dazu führen, dass jede Therapie am jungen Patienten alleine ihr Ziel verfehlt oder ins Leere geht.

Welche Therapiemöglichkeiten bestehen? – die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wichtig!

Die Umsetzung unseres ganzheitlichen Konzeptes basiert auf einer breit gefächerten interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen im MVZ Michelrieth und unter dem gleichen Dach im Haus der Gesundheit. Des Weiteren können wir in Zusammenarbeit mit dem Diagnostischen Centrum für Mineralanalytik und Spektroskopie (DCMS) die für die normale Gehirnfunktion notwendigen Mikronährstoffe im Blut des Patienten bestimmen und wo notwendig ergänzen, Belastungen mit Schwermetallen, wie zum Beispiel Quecksilber, Cadmium, Palladium, Blei und Aluminium erfassen und ausleiten. Speziell in Ernährungsmedizin ausgebildete Ärzte und Therapeuten helfen bei der Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und bieten eine individuelle Ernährungsberatung an.

Aus unserer jahrzehntelangen Erfahrung mit diesem ganzheitlichen Konzept in Diagnostik und Therapie sind wir überzeugt, dass es bei jedem Kind und seiner Familie auf eine individuelle Abklärung ohne Zeitdruck ankommt. Da wir nicht nur Symptome behandeln, sondern den Menschen, seine Symptome und seine Psyche, gestalten wir schon die Diagnostik so, dass es einem Kind und seinen Eltern möglich ist, Vertrauen zum Arzt und Therapeuten aufzubauen, damit alle wichtigen Fragen zur Sprache kommen können. Dies ist der Weg zum Erfassen der Persönlichkeitsaspekte und zum Entstehen eines therapeutischen Zugangs zu unseren Patienten. Würde man diese wichtigen Aspekte aus Gründen der „Effizienz“ vernachlässigen und bliebe bei der Diagnose auf der Ebene der äußeren Symptome stehen, wäre das Risiko einer Fehldiagnose besonders hoch und therapeutische Versuche könnten ins Leere laufen.

Als Ergänzung zu der im kassenzugelassenen MVZ Michelrieth ambulant durchgeführten Diagnostik und Therapie können wir für Patienten, die von weiter her oder aus dem Ausland kommen auch Unterkünfte von günstig bis luxuriös vermitteln. Auch englisch, französisch oder italienisch sprechende Patienten sind bei uns willkommen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrische und -psychotherapeutische Basis-Diagnostik und Therapie wird von den Kassen übernommen. Weitergehende Abklärungen wie die Mikronährstoffanalyse und deren individuelle Ergänzung, die Abklärung auf Schwermetallbelastung und ggf. deren Ausleitung, sowie die Abklärung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die darauf aufbauende individuelle Ernährungsberatung werden von einigen Zusatzversicherungen übernommen oder sind privat.